12 Aug

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

Welche Bedeutung hat der Garantiezins in der Lebensversicherung?

Lebensversicherungen sind nicht nur ein beliebtes Vorsorgeprodukt der Deutschen – aufgrund der hohen Sicherheit gelten Lebensversicherungen zudem auch als besonders sichere Form der Geldanlage. Grund dafür ist die gesetzlich garantierte Mindestverzinsung, auch Garantiezins genannt. Hierbei legt das Bundesministerium für Finanzen fest, dass die vertraglich zugesicherte Mindestverzinsung der eingezahlten Beiträge höchstens 60% der Durchschnittsrendite für zehnjährige Staatsanleihen mit dem Top Rating AAA betragen darf. Damit soll vermieden werden, dass die Versicherungsunternehmen unter Wettbewerbsdruck mehr versprechen, als sie am Ende einzuhalten in der Lage sind. Denn dem Gesetzgeber liegt viel daran, dass die gemachten Renditeversprechen auch realistisch sind und auf lange Zeit erfüllt werden können.

Beitragsrendite der Lebensversicherung schlägt ähnliche Anlageformen

Die Renditen der Lebensversicherer fallen dementsprechend eher bescheiden aus. Die Beitragsrendite, also die Verzinsung der eingezahlten Beiträge nach Abzug der Kosten, liegt aktuell unter 4%. Nur drei Lebensversicherer liegen zur Zeit darüber: Die Europa, Interrisk und die Cosmos Direkt. Vergleicht man diesen Wert jedoch mit anderen sicheren Anlageformen, wie z.B. dem Sparbuch, oder dem Tages- oder Festgeld, wird man feststellen, dass die Lebensversicherung immer noch eine höhere Rendite erwirtschaftet. Das hat mehrere Gründe: Zum einen verfügen die Versicherer über besonders hohe Anlagesummen und können so Investments tätigen, die bestimmte Mindestanlagesummen voraussetzen. Zum anderen ermöglicht die langfristige Vertragsbindung einer Lebensversicherung eine bestimmte Anlagesicherheit der investierten Beträge. Gerade im Großanlagenbau, wie zum Beispiel Wasserkraftwerken gehen den Erträgen oft lange Laufzeiten voraus, in denen die hohen Investitionskosten zunächst einmal abgeschrieben werden müssen. So ist es auch zu erklären, dass die lang laufenden Versicherungsverträge besonders hohe Beitragsrenditen erzielen. Die Renditeangaben der drei genannten Versicherer beispielsweise beziehen sich allesamt auf Policen mit einer Vertragslaufzeit von 25 Jahren.

Was passiert mit den alten Garantiezinsen?

Da sich der Garantiezins dem vorherrschenden Marktzins anpasst, dieser jedoch über den gesamten Vertragszeitraum festgeschrieben wird, besitzen heute nicht wenige Versicherte noch Altverträge mit höheren Garantieverzinsungen, als dies bei einem Neuabschluss möglich wäre. So beträgt die Garantieverzinsung bei einem Neuabschluss 1,75%. Gleichzeitig befinden sich noch Altverträge im Umlauf, denen ein Garantiezins von 4% zugrunde liegt. Dies ist für die Versicherten sehr erfreulich – für die Versicherungsgesellschaften ist es nicht selten jedoch ein Problem, denn diese müssen auf dem Kapitalmarkt mit restriktiven Anlagevorschriften arbeiten, die zum Schutz des Versicherungsnehmers erlassen worden sind. Damit soll verhindert werden, dass das Geld in riskante Anlageformen fließt – und am Ende womöglich ganz verschwindet. Damit wird es für die Versicherer noch schwerer, eine Garantieverzinsung zu erwirtschaften. Entsprechend sinken die Überschussbeteiligungen.

Was taugen die neuen Garantiemodelle?

Als Antwort auf die dauerhafte EZB-Niedrigzinspolitik haben sich einige Versicherer, wie z.B. die ERGO oder die Allianz neue Policenmodelle ausgedacht, die ganz ohne Mindestverzinszungen auskommen. Dafür sollen höhere Überschüsse gezahlt werden. Sicherheit wird also für höhere Renditeversprechen aufgegeben. Diese neuartigen Policen sind bereits auf massive Kritik von Seiten der Verbraucherschützer gestoßen. So rät Susanne Götz von der Verbraucherzentrale Bayern von diesen neuartigen Modellen ab. Die neuen Modelle seien spekulativer auf den Kapitalmarkt ausgerichtet, so Götz; auf eine Rendite habe man aber bei diesen Policen keinen Rechtsanspruch. Diesen gibt es jedoch bei der klassischen Lebensversicherung (die auch nach wie vor von der Allianz und anderen Versicherern angeboten wird). Besonders wer noch alte Policen mit einer hohen Garantieverzinsung von bis zu 4% hat, sollte dabei bleiben. Eine Kündigung von Lebensversicherungen halten die Bayerischen Verbraucherschützer in allen Fällen für die schlechtere Alternative. Stattdessen empfehlen Sie den Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt, wie die tz schreibt.

Welche Aufgabe hat der Zweitmarkt für Lebensversicherungen?

Um ein Mindestmaß an Sicherheit zu bieten, besitzen Versicherungspolicen lange Laufzeiten. Die Mindestlaufzeit liegt bei 12 Jahren, andere Verträge laufen bis zu 40 Jahren. Wer vor Ende dieser Laufzeit seine Police kündigt, muss zum Teil recht hohe Stornogebühren zahlen, weshalb Verbraucherschützer vor einer Kündigung abraten. Außerdem erlischt mit Kündigung sofort der Versicherungsschutz. Der Zweitmarkt bietet hier die notwendige Flexibilität. Wer vor Ablauf der Lebensversicherung Liquidität benötigt, hat die Möglichkeit, seine Police auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Der Ankäufer zahlt einen Mehrerlös über den vom Versicherer ausgewiesenen Rückkaufswert und führt die Police durch Prämienzahlungen bis zur Fälligkeit weiter. Dadurch bleibt dem Versicherten auch Verkauf seiner Police noch ein beitragsfreier Rest-Todesfallschutz erhalten. Nach Angaben des Marktführers Policen Direkt konnten auf diese Weise bereits Versicherungsleistungen in Höhe von 2 Millionen Euro an Hinterbliebene ausgezahlt werden, die im Falle eine Kündigung auf jeden Fall verloren gewesen wären. Verbraucherschutzorganisationen, wie Stiftung Warentest empfehlen den Verbrauchern, nur an Unternehmen zu verkaufen, die Mitglied im Branchenverband BVZL sind und damit deren Qualitätsanforderungen anerkennen.